Kompressionsstrümpfe helfen bei Venenleiden, Wassereinlagerungen und nach einer Thrombose – aber nur, wenn sie richtig sitzen und regelmäßig getragen werden. Genau daran scheitert es im Alltag oft: Die Strümpfe sind eng, das Anziehen kostet Kraft, und mit steifen Fingern oder nach einer Hüftoperation wird jeder Morgen zur Geduldsprobe. Wir vom Pflegedienst Kardia in München-Schwabing ziehen täglich Kompressionsstrümpfe bei unseren Patientinnen und Patienten an. In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen, wie das Anziehen leichter gelingt, welche Hilfsmittel es gibt und wann Sie lieber Fachpersonal hinzuziehen sollten.
Wofür Kompressionsstrümpfe gut sind
Medizinische Kompressionsstrümpfe üben einen gezielten Druck auf das Bein aus, der am Knöchel am stärksten ist und nach oben hin abnimmt. Dadurch werden die Venen verengt, die Venenklappen schließen besser und das Blut fließt leichter zum Herzen zurück. Gleichzeitig wird verhindert, dass sich Flüssigkeit im Gewebe sammelt.
Ärztinnen und Ärzte verordnen Kompressionsstrümpfe unter anderem bei:
- Krampfadern und chronischer Venenschwäche (chronisch-venöse Insuffizienz)
- Wassereinlagerungen in den Beinen (Ödeme), etwa im Alter oder bei Bewegungsmangel
- nach einer Beinvenenthrombose, um Folgeschäden vorzubeugen
- nach abgeheiltem venösem Beingeschwür (Ulcus cruris), um ein erneutes Aufbrechen zu verhindern
- Lymph- und Lipödemen, dann meist als flachgestrickte Maßanfertigung
Die Stärke des Drucks wird in Kompressionsklassen angegeben – von Klasse 1 (leicht) bis Klasse 4 (sehr kräftig). Welche Klasse und welche Länge (Wadenstrumpf, Schenkelstrumpf oder Strumpfhose) passt, entscheidet immer die Ärztin oder der Arzt.
Gut zu wissen: Medizinische Kompressionsstrümpfe sind nicht dasselbe wie die weißen Thrombosestrümpfe aus dem Krankenhaus. Diese sind für bettlägerige Menschen gedacht und üben deutlich weniger Druck aus. Sobald Sie wieder auf den Beinen sind, ersetzen sie keine verordneten Kompressionsstrümpfe.
Bevor es losgeht: Die richtige Vorbereitung
- Morgens anziehen: Am besten direkt nach dem Aufstehen, solange die Beine noch nicht angeschwollen sind. Wer bereits länger auf war, legt die Beine vorher für einige Minuten hoch.
- Haut trocken, Creme am Abend: Die Beine sollten sauber und trocken sein. Cremen Sie die Haut lieber abends nach dem Ausziehen ein – fettige Cremes erschweren das Anziehen und können das Gewebe der Strümpfe angreifen.
- Schmuck ablegen, Nägel prüfen: Ringe, Armbänder und lange oder eingerissene Fingernägel können Laufmaschen verursachen. Das gilt auch für raue Fußnägel und Hornhaut.
- Sicher sitzen: Setzen Sie sich auf einen stabilen Stuhl oder die Bettkante, nicht auf einen Hocker ohne Lehne. So vermeiden Sie Stürze.
Kompressionsstrümpfe anziehen: Schritt für Schritt
Diese Methode hat sich in der Praxis bewährt und funktioniert ohne Hilfsmittel:
- Strumpf umstülpen: Greifen Sie mit einer Hand in den Strumpf bis zur Ferse, fassen Sie die Ferse von innen und ziehen Sie den Strumpf bis dorthin auf links. Der Fußteil bleibt richtig herum, der Rest ist nach innen gestülpt.
- Fußteil überziehen: Schieben Sie den Fuß in das Fußteil, bis die Ferse genau in der Fersenmulde des Strumpfs sitzt.
- Schrittweise hochziehen: Ziehen Sie den Strumpf nun Stück für Stück über Knöchel und Wade nach oben. Nicht am oberen Rand zerren, sondern das Gewebe mit flachen Händen in kleinen Abschnitten hochschieben.
- Falten glätten: Streichen Sie den Strumpf zum Schluss mit den Handflächen glatt. Falten und Umschläge wirken wie ein Gummiband und können die Durchblutung abschnüren.
- Sitz prüfen: Der obere Rand eines Wadenstrumpfs endet etwa zwei Finger breit unterhalb der Kniekehle. Den Rand niemals umkrempeln, um den Strumpf zu kürzen.
Experten-Tipp: Haushaltsübliche Gummihandschuhe mit Noppen (oder spezielle Anziehhandschuhe aus dem Sanitätshaus) sind das einfachste Hilfsmittel überhaupt. Mit ihnen lässt sich das Gewebe viel besser greifen und gleichmäßig verteilen – und die Fingernägel schonen den Strumpf.
Anziehhilfen: Wenn die Kraft nicht reicht
Wer sich schlecht bücken kann, Arthrose in den Händen hat oder nach einer Hüft- oder Knieoperation nicht an die Füße kommt, sollte nicht verzweifeln. Es gibt bewährte Anziehhilfen:
- Gleitsocke: Ein glatter Stoffschuh, der über den Fuß gezogen wird. Der Strumpf rutscht darüber leicht bis zur Ferse, danach wird die Gleitsocke vorn herausgezogen. Besonders praktisch bei offenen Fußspitzen.
- Anziehgestell aus Metall: Der Strumpf wird über ein Gestell gespannt, dann steigt man mit dem Fuß hinein und zieht das Gestell an den Griffen nach oben. Gut geeignet für Menschen, die sich nicht bücken dürfen oder können.
- Ausziehhilfen: Für das Ausziehen am Abend gibt es eigene Hilfen, etwa einen Stab mit Haken, der den Strumpf über die Ferse schiebt.
Lassen Sie sich die Anwendung im Sanitätshaus oder von unseren Pflegefachkräften zeigen. Anziehhilfen können ärztlich verordnet werden; ob und in welchem Umfang die Krankenkasse sie übernimmt, klären Sie am besten vorab mit Ihrer Kasse.
Wann der Pflegedienst beim Anziehen hilft
Wenn das selbstständige An- und Ausziehen trotz Hilfsmitteln nicht möglich ist und auch niemand im Haushalt das übernehmen kann, kann die Ärztin oder der Arzt häusliche Krankenpflege verordnen. Das An- und Ausziehen ärztlich verordneter Kompressionsstrümpfe ist ab Kompressionsklasse 1 eine Leistung der Behandlungspflege nach der Häusliche-Krankenpflege-Richtlinie. Die Kosten trägt dann die Krankenkasse – unabhängig davon, ob ein Pflegegrad vorliegt. Es fällt die gesetzliche Zuzahlung für häusliche Krankenpflege an, sofern keine Befreiung besteht.
Der Vorteil für Sie: Unsere Pflegefachkräfte ziehen die Strümpfe nicht nur faltenfrei an, sondern achten dabei auch auf Hautveränderungen, Druckstellen und Schwellungen und melden Auffälligkeiten an die behandelnde Arztpraxis. Wie sich Behandlungspflege mit anderen Hilfen im Alltag kombinieren lässt, lesen Sie in unserem Beitrag Experten-Tipps für Familien: Ambulante Versorgung zu Hause.
Ausziehen, Tragedauer und Pflege der Strümpfe
- Tragedauer: In der Regel werden Kompressionsstrümpfe tagsüber getragen und abends vor dem Schlafengehen ausgezogen. Halten Sie sich an die Vorgaben Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes, auch wenn es einmal unbequem ist – unregelmäßiges Tragen schwächt die Wirkung deutlich.
- Ausziehen: Den Strumpf am oberen Rand fassen und nach unten auf links abrollen, dann über die Ferse streifen. Danach die Haut auf Rötungen und Druckstellen ansehen und eincremen.
- Waschen: Am besten täglich, mindestens aber regelmäßig nach Herstellerangabe, meist im Schonwaschgang bei 30 bis 40 °C mit Feinwaschmittel. Kein Weichspüler, kein Trockner und nicht auf der Heizung trocknen. Durch das Waschen ziehen sich die Fasern wieder zusammen und der Strumpf behält seinen Druck.
- Wechselversorgung: Üblich sind zwei Paar, damit immer eines getragen und eines gewaschen werden kann.
- Rechtzeitig erneuern: Bei täglichem Tragen lässt die Kompression nach etwa sechs Monaten nach. Dann ist in der Regel eine neue Verordnung möglich. Für Kompressionsstrümpfe als Hilfsmittel gilt die gesetzliche Zuzahlung von 10 Prozent, mindestens 5 und höchstens 10 Euro je Strumpf oder Strumpfhose.
- Neu anmessen lassen: Wenn Sie deutlich ab- oder zugenommen haben oder die Beine weniger geschwollen sind, passen die alten Maße nicht mehr. Lassen Sie im Sanitätshaus neu messen, am besten morgens.
Warnzeichen: Wann Sie den Strumpf ausziehen und ärztlichen Rat einholen sollten
Kompressionsstrümpfe sind wirksam, aber nicht harmlos. Ziehen Sie den Strumpf aus und wenden Sie sich an Ihre Arztpraxis, wenn Sie Folgendes bemerken:
- Schmerzen, Taubheitsgefühl oder Kribbeln in Zehen oder Fuß
- blasse, bläuliche oder kalte Zehen
- tiefe Einschnürungen, Blasen oder offene Stellen auf der Haut
- Juckreiz, nässende Haut oder ein Ausschlag, der auf eine Allergie gegen das Material hinweisen kann
- plötzliche, einseitige Schwellung, Wärme und Schmerzen im Bein – das kann auf eine Thrombose hindeuten und gehört sofort ärztlich abgeklärt
Wichtig: Bei plötzlicher Atemnot oder Schmerzen in der Brust rufen Sie umgehend den Notruf 112.
Wann Kompressionsstrümpfe nicht geeignet sind
Laut der medizinischen Leitlinie zur Kompressionstherapie dürfen Kompressionsstrümpfe bei bestimmten Erkrankungen nicht oder nur unter ärztlicher Kontrolle getragen werden. Dazu gehören unter anderem:
- eine fortgeschrittene arterielle Durchblutungsstörung der Beine (pAVK, „Schaufensterkrankheit“)
- eine schwere, nicht ausreichend behandelte Herzschwäche
- bestimmte akute Venenentzündungen und schwere Formen der Thrombose
- stark nässende Hauterkrankungen oder eine Unverträglichkeit gegen das Strumpfmaterial
- ausgeprägte Gefühlsstörungen in den Beinen, wie sie etwa bei einer diabetischen Nervenschädigung (Polyneuropathie) vorkommen – hier werden Druckstellen oft nicht bemerkt
Menschen mit Diabetes sollten ihre Füße deshalb jeden Tag sorgfältig ansehen. Weitere Hinweise für den Alltag mit Diabetes finden Sie in unserem Ratgeber Wichtige Tipps zur sicheren Insulinanwendung. Ob Kompression für Sie infrage kommt, klärt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt vor der Verordnung, häufig mit einer einfachen Messung des Blutdrucks am Knöchel.
Häufige Fragen zum Anziehen von Kompressionsstrümpfen
Darf ich Kompressionsstrümpfe nachts tragen?
In der Regel nicht. Im Liegen fließt das Blut ohnehin besser zurück, sodass die Strümpfe nachts meist nicht nötig sind und eher Druckstellen begünstigen. Ausnahmen legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.
Warum rutscht mein Kompressionsstrumpf ständig herunter?
Häufig passt die Größe nicht mehr, etwa weil eine Schwellung zurückgegangen ist, oder der Strumpf ist ausgeleiert. Lassen Sie die Beine im Sanitätshaus neu vermessen. Bei Schenkelstrümpfen hilft ein Haftband am oberen Rand; auch spezieller Hautkleber aus dem Sanitätshaus kann den Sitz verbessern.
Übernimmt der Pflegedienst das Anziehen auch ohne Pflegegrad?
Ja. Das An- und Ausziehen ärztlich verordneter Kompressionsstrümpfe ist eine Leistung der häuslichen Krankenpflege und wird über die Krankenkasse abgerechnet. Voraussetzung ist eine ärztliche Verordnung und dass Sie die Strümpfe nicht selbst und auch nicht mit Hilfe einer Person im Haushalt anziehen können.
Wie oft bekomme ich neue Kompressionsstrümpfe?
Üblich ist eine Erstversorgung mit zwei Paar zum Wechseln. Bei regelmäßigem Tragen ist nach etwa sechs Monaten eine Folgeversorgung möglich. Verordnet werden die Strümpfe von der Ärztin oder dem Arzt, angemessen und abgegeben im Sanitätshaus.
Fazit: Richtig angezogen, wirken Kompressionsstrümpfe am besten
Kompressionsstrümpfe gehören zu den wirksamsten Behandlungen bei Venenleiden und Schwellungen – vorausgesetzt, sie sitzen faltenfrei, haben die richtige Größe und werden konsequent getragen. Mit der richtigen Technik, Gummihandschuhen und gegebenenfalls einer Anziehhilfe gelingt das Anziehen vielen Menschen selbst. Wo die Kraft nicht reicht, übernimmt ein ambulanter Pflegedienst diese Aufgabe auf ärztliche Verordnung.
Der Pflegedienst Kardia in München-Schwabing unterstützt Sie beim täglichen An- und Ausziehen Ihrer Kompressionsstrümpfe und behält dabei Haut und Beine im Blick. Sprechen Sie uns an – wir beraten Sie gern persönlich und unverbindlich.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder pflegefachliche Beratung. Ob und welche Kompressionsstrümpfe für Sie geeignet sind, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Bei Schmerzen, Hautveränderungen, Taubheitsgefühl oder neuen Schwellungen wenden Sie sich bitte an Ihre Arztpraxis oder qualifiziertes Fachpersonal. Angaben zu Kostenübernahme und Zuzahlungen entsprechen dem Stand 2026; verbindliche Auskünfte erteilt Ihre Krankenkasse.
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Phlebologie – S2k-Leitlinie „Medizinische Kompressionstherapie der Extremitäten mit Medizinischem Kompressionsstrumpf (MKS), Phlebologischem Kompressionsverband (PKV) und Medizinischen adaptiven Kompressionssystemen (MAK)“, AWMF-Register Nr. 037-005; Gemeinsamer Bundesausschuss – Häusliche Krankenpflege-Richtlinie, Leistungsverzeichnis Nr. 31 (Kompressionsbehandlung), geändert durch Beschluss vom 21.12.2017; Zuzahlungen nach § 61 SGB V; Hilfsmittelversorgung nach § 33 SGB V.